Pegidas letztes Zucken

Sie blöken, sie keifern, rot geschriene Gesichter, das Volk ist wieder da. Eine Horde von 200 verwahrlost wirkenden Dresdnern (meist schlecht gekleidet, viele mit schlechten Zähnen) hat sich vor den drei Bussen aufgebaut, die gleich als Mahnmal für die Opfer von Aleppo eingeweiht werden sollen. „Volksverräter“, „haut ab“, das Volk versteht sich wieder als Gemeinschaft von Opfern. Politiker werden bepöbelt und niedergebrüllt, wie zuletzt immer, wenn sie im barocken Zentrum Dresdens auftauchten. Pöbelei als letzte Form zu rufen: Wir sind auch noch da.

Später wird das Volk seinen ganzen Hass in den Kommentarspalten bei Facebook auskotzen. Und sich über die große Resonanz in ganz Deutschland freuen: Wochenlang interessierte sich niemand für Pegida und seine Spaziergänge. In Leipzig ist der Ableger Legida kläglich eingegangen. Jetzt aber richten sich endlich wieder Kameras auf das Volk. Millionen Gleichgesinnte im ganzen Land fühlen sich durch ihr Gepöbel angesprochen, hoffen sie.

Doch die Pegidisten ahnen längst, dass sie nicht das Volk sind, sondern immer eine Minderheit bleiben. Die Abgehängten, Ausgegrenzten. Die, die „Nazis“ und „Pack“ genannt werden, was hier in Dresden, wo auch die Kleinbürger gerne vornehm sind, besonders weh tut. Das macht sie so aggressiv und böse: Ihr Protest, der einst mit zehntausenden Teilnehmern auf dem Theaterplatz weltweit Schlagzeilen machte, ist in sich zusammengefallen. Es gibt nichts mehr zu sagen. Sie gehen zurück in ihre hässlichen Plattenbauwohnungen in Prohlis, Klotzsche und Strehlen und sind wieder das, was sie immer waren: tragische Loser, für die sich keiner interessiert.

Es ist am Ende dieses Video einer verzweifelten Dresdnerin, das den Niedergang von Pegida am deutlichsten illustriert: Es geht nicht mehr darum, zuzuhören oder Argumente auszutauschen. Die letzten Hilfeschreie – ein unverständliches Gurgeln aus heiseren Kehlen. „Die da oben“, die Etagen, in denen die Entscheidungen fallen, bleiben für die Opfergemeinschaft von Pegida unerreichbar. Die (um sich selbst) besorgten Dresdner hatten keine funktionierenden Ideen, ihre politischen Ziele umzusetzen. Sie haben immer nur gewinselt. Und sie winseln bis zum Ende.