Rekordexporte – lasst uns shoppen!

Riesenjubel in der Wirtschaft: Deutschlands Exporte erreichen neue Rekordwerte. Sie stiegen kräftig (um 1,2% auf 1,2 Billionen Euro, so viel wie niemals zuvor), die Importe dagegen nur mäßig (um 0,6% auf 955 Milliarden), so das Statistische Bundesamt heute. Der Exportüberschuss lag 2016 bei 252,9 Milliarden Euro.

Eigentlich ist das ganz gut: Viele Deutsche verdienen ihr Geld in exportorientierten Branchen gutes Geld. Doch wenn einer zu viel produziert, produzieren andere zu wenig: die USA zum Beispiel mit einem Export-Defizit von 500 Mrd. Euro im vergangenen Jahr. Großbritannien mit 149 Mrd., Frankreich  mit 60 Mrd. und Spanien mit 25 Mrd. Euro (alle 2015). Seit Einführung des Euro hat Deutschland für 2600 Milliarden Euro mehr Waren ins Ausland geliefert als eingeführt.

Es ist wie in einem Dorf, in dem jeder Einwohner Handwerker ist. Der Schuster repariert seinen Nachbarn die Schuhe, der Dachdecker baut neue Dächer – und der Uhrmacher neue Uhren. Weil die so teuer sind, sind seine Umsätze deutlich höher als die der anderen. Er lässt sie anschreiben und nimmt dafür Zinsen. Die Folge: Die Schulden der anderen Dorfbewohner wachsen. Und ihr Frust auch.

Doch warum ist Deutschland so stark im Exportieren – und sollten wir wirklich stolz darauf sein? Der Grund ist die Lohnpolitik: Seit den frühen 90er Jahren waren die Lohnzuwächse in Deutschland geringer als in anderen Ländern. Die Wirtschaft wurde wettbewerbsfähiger, konnte billiger produzieren als ausländische Konkurrenten. Der Nachteil: Durch die niedrigen Löhne konnten die Deutschen weniger kaufen, auch weniger Waren aus dem Ausland. Die Importe blieben deutlich hinter den Exporten zurück. Das deutsche Lohndumping „zerreißt die Eurozone und provoziert Protektionismus in anderen Ländern“, sagt Sahra Wagenknecht von der Linken.

Wirtschaft ist ein Geben und Nehmen. Deutschland kann sich nicht auf Kosten anderer Nationen ein tolles Wirtschaftswachstum zusammen basteln und hoffen, dass die anderen zuschauen. Dabei muss dieses Land seine Exporte gar nicht zurückfahren: Es würde reichen, die Importe anzukurbeln. Zum Beispiel durch höhere Löhne. Denn viele Konsumgüter, wie Handys, Kleidung oder Möbel kommen aus dem Ausland.

Jeder Deutsche, vom Studenten bis zur Rentnerin, müsste pro Monat nur für 262,50 Euro mehr ausländische Konsumartikel einkaufen. Italienische Schuhe, polnischen Wodka oder chinesische Handys zum Beispiel. Das müsste doch machbar sein!

Also: Lasst uns einfach mehr einkaufen, dann kriegen wir den hässlichen Export-Überschuss schon weg.